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MISEREOR: Waldgärten Haiti
Grüne Inseln im ganzen Land


Misereor
Angela Kraft
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Waldgärten Haiti

Grüne Inseln im ganzen Land

Jahr für Jahr werden in Haiti etwa 50 Millionen Bäume gefällt, ohne ersetzt zu werden. Inzwischen sind nur noch zwei Prozent des meist bergigen Landes mit zusammenhängendem Wald bedeckt – mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur: die vor Sonne, Wind und Regen ungeschützten Böden erodieren, der natürliche Wasserkreislauf ist stark beeinträchtigt und es fehlen Bäume zur Bindung von CO2. Täglich verlieren Kleinbauern-Familien ihre Existenz, weil ihre durch Erosion unfruchtbar gewordenen Felder keine Ernten mehr hergeben. Um dieser fatalen Entwicklung entgegenzusteuern, hat die Kirche ein agrarökologisches Konzept für Bodenschutz, Wiederaufforstung und Waldwirtschaft entwickelt, das sie über neun Kleinbauernschulen im ganzen Land verbreitet. Immer mehr Kleinbauern folgen dem Angebot dieser Schulen und schließen sich zu Genossenschaften zusammen, um gemeinsam ihre Böden zu sanieren und dauerhaft gegen Erosion zu schützen, um wiederaufzuforsten und in den neuen Waldstücken kleine Felder bzw. Gärten anzulegen.

Waldgärten in Verbindung mit Agroforstwirtschaft gehen auf die Landwirtschaftsmethoden der indianischen Ursprungsbevölkerung Haitis zurück, waren aber im Zuge der spanischen Kolonisierung vor 500 Jahren in Vergessenheit geraten. Dabei bieten sie die effektivste und schonendste Nutzungsweise der tropischen Vegetation.

Neben Methoden des Feldbaus in den Waldgärten sowie einer umweltverträglichen Tierhaltung lernen die Kleinbauern in den kirchlichen Agrarschulen, wie man den Wald möglichst gewinnbringend nutzen kann, ohne ihn zu zerstören. Bei Flächen von ein bis zwei Hektar ist eine effiziente Forstwirtschaft für die Kleinbauernfamilien eine Überlebensfrage, Feldbau und Tierhaltung alleine sichern noch nicht die Existenz. Dazu müssen auch Obstbäume und Nutzhölzer für die Bauwirtschaft und Möbelindustrie beitragen. Wichtig sind dabei ebenso wie bei der Nahrungsmittelproduktion in den Waldgärten Mischkulturen, um die Anzahl von Schädlingen gering zu halten.

Die etwa 50.000 Familien, die bereits nach dem agrarökologischen Konzept der neun Kleinbauernschulen arbeiten, haben sich damit eine sichere Existenzgrundlage geschaffen, tragen zu einer besseren Ernährungsbasis und nachhaltigen Holzwirtschaft in Haiti bei, und nicht zuletzt leisten sie einen Beitrag zum Klimaschutz. In den nächsten Jahren sollen noch viele weitere Kleinbauern-Familien hinzukommen.